Zuletzt aktualisiert: 05.12.2016
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Kampf gegen Blaualgen

Selbst ich als langjähriger Aquarianer bin irgendwann auf das Problem "Blaualge" getroffen. Da ich jedoch auf diesem Gebiet (eines der wenigen) davon überzeugt bin, dass Geduld sehr viel weiterhilft, habe ich die anfängliche Panik in eine Experimentierstrecke umgewandelt, die sich über fast 2 Jahre hinzog.

Zahlreiche Punkte konnte ich zusammensammeln und möchte sie hier als Hilfe für Anfänger oder auch resignierte Aquarienbesitzer weitergeben.

  • 1. Der erste Kontakt
    Den ersten offensichtlichen und massiven Kontakt mit dieser Alge hatte ich direkt nach einem Umzug. Das Aquarium (80l) lief in der alten Wohnung sehr gut, der schwarze kunststoffummantelte Kies wurde beim Umzug gewaschen, der Filter nicht angetastet. Anfangs lief das Becken an seiner neuen Position im Dachgeschoss sehr gut, doch mit zunehmender Sommerwärme wurde das Wasser immer stärker erhitzt.
    Zu dieser Zeit kapitulierte ich sehr schnell als ich sah, dass eine regelrechte Blaualgenexplosion stattfand. Bodengrund, Pflanzen, alles war unter einer grünblauen Schicht eingepackt. Da ich es eigentlich als Pflanzenbecken weiterführen wollte, parallel zu einem größeren Becken, das einige Wochen vorher im Erdgeschoss problemlos einlief, fiel mir das Abbauen nicht sehr schwer. Alles samt CO2-Anlage, Kies, Außenfilter usw wurde verkauft, lediglich ein paar Pflanzen wanderten ins neue größere (300l) Becken.

  • 2. Verschleppung des Problems
    Nun hatte ich eigentlich einen Neuanfang gewagt, das 300l Becken lief anfangs problemlos ein, Sandboden, reichlich Pflanzen, eine große Wurzel, leichter Besatz mit Guppies und Barben, direkt beim Start Düngung und Nitratabbau durch haufenweise Pflanzen.
    Die Beobachtung, dass sich abends an allen möglichen Pflanzen Perlen bildeten und eine Art Sauerstoffsättigung eintrat, konnte ich jedoch beim neuen 300er Juwel-Becken nicht mehr machen, trotz CO2-Anlage gelang dies nur ab und zu. Der starke Filter (400 l / h) sorgte ebenfalls dafür, dass die Oberfläche relativ stark bewegt war, Mulm sammelte sich im Becken kaum.
    Das ging einige Monate auf diese Weise gut, bis ich auch hier langsam aber sicher Probleme mit Blaualgen bekam. Zunächst wurden Pflanzen überwuchert, später dann immer wieder flächendeckende Überzüge auf dem weißen Sand.

  • 3. Teure Probierphase
    Was probiert man nicht alles aus:
    • Algenpräparate: kein Erfolg
    • Mehr Dünger, weniger Dünger, Dennerle, Sera, Drak, Nitratdünger, Kaliumdünger, nichts half
    • Verschiedene CO2-Reaktoren, Flipper, Spirale. Lindenholz, kaum Änderungen des Problems
    • Austauschen der Lampen, Wechseln der Farben
    • Viel Wasserwechsel, Auswaschen des Filters
    • ph Senkung mit ph-Minus und Salzsäure

    Auch diese Phase ging erfolglos vorüber, das Problem hielt ich mit Absaugen der Algen mit einem dünnen Schlauch auf einem Niveau, wo man sagen konnte, da stimmt was nicht, aber es ist nicht so schlimm.

  • 4. Beobachtungsphase
    Ein weiterer Umzug fand statt, neue Wasserwerte vom Wasserwerk, gleiche Einrichtung, gleicher Filter, gleiches Problem. Mittlerweile jedoch hatte sich der Besatz geändert, die Guppies waren verschwunden, Buntbarsche hielten Einzug. Ein Nebeneffekt war, dass es im Becken keine Schnecken mehr zu finden waren, die Pflanzenmasse hatte sich nicht verringert. Auch die große Wurzel verursachte immernoch bernsteinfarbenes Wasser, der Sandboden wurde relativ wenig umgegraben.
    Auch hier ging das Problem immer weiter, mal stärker mal schwächer, woran jetzt jedoch wirklich gedreht wurde und welchen Effekt es hatte war weiterhin unklar.

  • 5. Zufallstreffer
    Inzwischen war das Problem 2 Jahre alt, so wirklich lösen konnte ich es nicht. Welche Form von Blaualge ich hatte, das ist mir klarer geworden, nämlich die Reinwasservariante. Wenig Nitrat, ph von 7,5, CO2 Zugabe, KH von 5.
    Durch Zufall bin ich dann parallel dazu auf die Nanoaquaristik gestoßen. Ein 10 Liter Nanocube Komplettset wurde aufgesetzt. Die Einlaufphase lief prima, nach ein paar Wochen kamen Garnelen dazu, und auch Planarien. Ein Umsetzen der Garnelen in ein Ablaichbecken ins große Becken, Behandlung mit Medizin, Knoblauch usw, all das half nichts und sorgte im Endeffelt dafür, dass die Garnelen samt Nachwuchs starben.
    Nun wurde das Nanobecken geräumt und neu eingerichtet, Sand aus dem großen Becken benutzt, Pflanzen aus einem Geschäft und 3 Wochen später Garnelen, als Dünger wurde der dazugehörige Dennerle - Dünger benutzt.
    Alles wuchs, und zu allem Überfluss auch Blaualgen, jetzt waren die Planarien kein Feind mehr, sondern die Toxine der Algen. Auch hier wurde der Befall immer heftiger.

  • 6. Die Wende
    Traurig aber wahr, dass gerade die Zeit und der Zufall die Wende gebracht hat. Die gekauften Pflanzen aus dem Geschäft hatte ich nicht sterilisiert, irgendwo mußte glibbriger Schneckenlaich hängen geblieben sein. Einige Minischnecken machten sich breit, Posthörnchen und Quellblasenschnecken. Ebenfalls hatte ich mir ein paar Exemplare von Wasserlinsen eingeschleppt.
    Die Zeit führte dann letztlich dazu, dass die Schnecken sich immer weiter vermehrten, überall hingen neue Nester, die Garnelen wuchsen ebenfalls prächtig. Um deren Nachwuchs zu erhalten, entschied ich mich, den Nanofilter zu drosseln, damit keine Garnelenbabies angesaugt werden.
    Seitdem die Garnelen als Besatz dienen, wird alle 5 Tage nur ein Liter Wasser getauscht, aufbereitet mit 2 Tropfen Dünger. Nach einigen Wochen stellte ich fest, dass ich den Filter mittlerweile so stark gedrosselt habe, eigentlich gar kein Durchfluss mehr stattfand, prompt entfernte ich ihn komplett.
    Für viele ist es eine Plage, doch für mich ist es der beste Wasserqualitätssensor, den es gibt, die Wasserlinse. Im Nanobecken wuchs sie sehr gut, alle paar Tage hatte sie sich so stark vermehrt, dass die Oberfläche bedeckt war, dann schöpfte ich die Hälfte davon ab und gab sie ins große Becken.

  • 7. Interpretation
    Blaualgen finde ich im Nanobecken keine mehr, Pinselalgen gibt es nicht, keinen Filter, keine CO2-Anlage, doch jeden Abend Blasenbildung an den Pflanzen, Grünalgen gibt es nur hauchdünn an den Scheiben, Mulm bildet sich von alleine auf dem Sandboden, perfekt für die Garnelen, ein Pflanzenwuchs wie auf einem Foto.

  • 8. Reproduktion
    Ein halbes Jahr läuft das Nanobecken nun so, prompt habe ich das Ganze auf ein 60 Liter Becken projeziert. Wieder Quarzsand aus dem Baumarkt, leichter Pflanzenbesatz, Wasserlinsen und Filter. Diese milchige Brühe wurde 2 Wochen am Stück umgewälzt, und direkt vom Start ab gedüngt, dieses Mal jedoch mit Sera - Dünger. Die Wasserlinsen vermehrten sich kaum, dafür jedoch Blaualgen massiv.
    Der Nitritpeak war überstanden, die ersten Schnecken hielten Einzug, die Blaualgen nahmen unentwegt zu. Der erste Wasserwechsel erfolgte dann, die Pflanzen produzierten erstmals regelmäßig eine Sauerstoffsättigung, die Blaualgen wuchsen noch schneller. Wieder hat die Zeit es geschafft, das Problem zu lösen, denn genau jetzt schlüpften die ersten Schnecken aus ihren Gelegen, die schon haufenweise an den Scheiben zu finden waren. Langsam aber sicher wuchsen immer mehr Schnecken auf, von Blaualgen überwucherte Pflanzen wurden wieder frei, keine Senkung des ph - Wertes, keine Spezialdüngung, kein Filter, das System reinigte sich zusehends in dem Maße wie beim Nanobecken.

  • 9. Anwendung
    Zurück zur Großbaustelle 300er Becken. Hier konnte ich folgende Misstände beobachten:
    • Schnelle Wasserbewegung (400 l / h)
    • hoher ph Wert von fast 8,5
    • niedriger Nirtatwert
    • CO2 Anlage in Betrieb, kaum Sauerstoffsättigung
    • Fischbesatz
    • Keine Schnecken
    • Wasserlinsen halten sich nicht sondern sterben ab
    • Kaum Mulm

    Die Umsetzung der Mängel erfolgte nun in Anbetracht des Besatzes in kleinen Schritten:
    • Austauschen des Impellers von 400 l / h zu 180 l / h
    • Schrittweises senken des ph - Wertes mit Salzsäure
    • Großzügiges Füttern. Bei gutem Pflanzenwuchs wurden die Pflanzen gestutzt, der Abfall in einen Mixer gegeben und dem Wasser wieder zugegeben um massiv Mulm zu erzeugen.
    • CO2 - Anlage wurde abgeschaltet, gar keine Sättigung mehr
    • Fischbesatz bleibt erhalten
    • Schneckenbesatz versucht anzusiedeln, doch die Fische fressen sie auf
    • Zugabe von Pottasche zur Schwächung der Blaualgen durch Kalium
    • Wasserlinsen halten sich besser
    • Mulm entwickelt sich mehr, wegen gehäkselten Pflanzenresten

    Nach diesen Änderungen lief das System weitere Wochen ohne Wasserwechsel, manche Pflanzen wuchsen besser, manche schlechter, das Wasser war schon dunkler als bernsteingelb, die Blaualgen jedoch hielten sich. Nach ca. 6 Wochen schon fast zugemülltem Aquarium stellte ich plötzlich fest, dass sich die Wasserlinsen extrem vermehrt haben und die Oberfläche sich kaum noch bewegt.
    Der Filter war schon recht schmutzig, der ph-Wert bei 7,5, die CO2 - Flasche war leer, die Blaualgen kämpften so mit der Wasserqualität, dass sie nur noch an den bisherigen Wuchsherden leicht vertreten sind.

    Nun folgte ein 50%iger Wasserwechsel und weiteres warten.

  • 10. Dunkelkur
    Nach weiteren 2 Wochen konnte ich keine Verbesserung feststellen. Trotz Angst um die Pflanzen entschied ich mich, eine Dunkelkur durchzuführen. Ich klebte das Becken vollständig ab, zusätzlich kamen noch Decken darüber. Ganze 7 Tage hielt ich durch, danach packte ich das Aquarium wieder aus und konnte hellgrüne strahlende Pflanzen sehen, keine einzige Blaualge mehr in Sicht. Weitere 3 Wochen später befand ich mich mitten in einer Blaualgenexplosion, schlimmer als vorher.

  • 11. Die Lösung
    Traurig aber wahr, die Lösung hatte ein Schneckenhaus, das hatte ich bereits in den anderen kleinen Becken festgestellt, doch meine Buntbarsche haben keine Schnecke übrig gelassen, sie haben alle gefressen. Das Traurige daran: ich habe alle Barsche abgegeben, die Schnecken wurden eingesetzt und abgewartet. 6-8 Wochen später hatte sich die Posthorn-, Blasen- und Turmdeckelschneckenpopulation stark vermehrt aber stabilisiert, sie haben alle Blaualgen restlos entfernt !



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