Zuletzt aktualisiert: 05.12.2016
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Fleischfressende Pflanzen

Fleischfressende Pflanzen (auch Karnivoren oder engl. Carnivores) genannt, sind ein zwiegespaltenes Thema. Viele Menschen ekelt es an, weil sich bei diesen Pflanzen quasi die Nachrungskette um ein weiteres Glied verlängert, andere Menschen faszinieren sie wie Pflanzen von einem anderen Planeten. Verwunderlich ist, dass alle diese Pflanzen sich nur wenig ähneln, sie sind nicht wirklich miteinander verwandt, zwar gibt es bestimmte Gruppen, die sich innerhalb der Gruppe ähneln, doch es gibt viele Gruppen, die sich völlig unterscheiden. Auch ist erstaunlich, dass es diese Pflanzen auf fast allen Kontinenten gibt, von der heißen Wüste bis in den tiefsten Urwald, vom eisigen Hochgebirge bis ins nässeste Moor.

Allen gemeinsam ist ein nährstoffarmer Standort und sich somit die Notwendigkeit ergibt, Nährstoffe aus anderen Quellen als Boden oder Wasser zu ziehen.

Leider hat die rasant gestiegene Popularität und Faszination für diese Pflanzen zwei Seiten hervorgebracht, die jedoch beide nicht dazu führen, dass viele vor dem Aussterben bedrohte Arten mehr unter Schutz stehen. Gärtnereien produzieren in Massenware diese Pflanzen für den normalen Gartenhandel, seltenere Pflanzen erleiden oftmals immernoch das Schicksal, aus der freien Natur entnommen zu werden, der Verkauf der Massenwaren fließt nicht in den Schutz zurück.

Wer sich einen simplen Salatkopf vorstellen kann, und versucht, sich vorzustellen, wieviele Mutationen, Generationen und Jahrtausende vergehen mußten, damit aus einem Salatblatt eine wasserdichte kannenförmige Falle werden konnte, oder eine in sekundenbruchteilen zuklappende Falle. So selten, so faszinierend, bewegliche Pflanzen, all das trägt zur Popularität bei.

So gutmütig die Züchtung der Pflanzen gegenüber der Entnahme der Natur von den Gärtnereien auch gemeint ist, es trägt nicht wirklich dazu bei, dass sie nicht als eine Art Spielzeug gerade bei Kindern als Geschenkartikel hinhalten müssen. Die ständige Reizung der Fallen, unregelmäßige Pflege und der andauernde Versuch, noch größere Fallen zu erhalten, richten meist mit Unwissen viele Pflanzen zugrunde.

Um die hierzulande im Gartencenter angebotenen Pflanzen handelt es sich oftmals um einfachere Pflanzen oder sogar um abgehärtete Hybriden. Steht ein "einfach" bis "mittel" auf dem Schild, so kann man mit folgenden Punkten davon ausgehen, dass man unkrautähnliche Pflanzen erhält:

  • Viel Licht: Zwar handelt es sich bei den meisten fleischfressenden Pflanzen im Sumpfpflanzen oder Pflanzen aus den Tropen, trotzdem ist allen gemeinsam, dass sie möglichst viel Sonne verlangen, zuviel Sonne sollte jedoch nicht zu einem Überhitzen des Substrats führen. Im Winter nimmt die UV-Strahlung der Sonne erheblich ab, Pflanzen, die keine Winterruhe halten, sollten unbedingt am Südfenster gehalten werden, selbst Glasscheiben blocken für die Pflanzen notwendige Wellenlängen stark ab.
    Kannenpflanzen bereiten vielen Anfängern Kopfzerbrechen, weil die Kannen nach dem Kauf vertrocknen und keine neuen Kannen gebildet werden. Hier wird häufig fälschlicherweise angenommen, dass sie zu trocken und zu kühl stehen, es fehlt jedoch einfach nur mehr Licht.

  • Wasser: Viele Pflanzen sind zwar Sumpfpflanzen, mögen aber allerhöchstens im Hochsommer nasse Füße, also so viel Wasser im Untersetzer, dass er ständig nass bleibt. Das ist jedoch nicht nötig, eine normale Bodenfeuchte ist ausreichend. Steht die Pflanze zu nass, kommt kein Sauerstoff mehr an die Wurzeln, zuwenig Wasser und ein Austrocknen führt jedoch zum schnellen Tod. Große Experimente sollte man bei der Wasserauswahl nicht machen, denn weder destilliertes Wasser, noch Brita - Wasserfilter bringen ein optimales Gießwasser, simples Regenwasser ist schlicht und optimal.

  • Luftfeuchte: Oft sieht man Pflanzen, die in Terrarien vor sich hin schwitzen und mit Wasser übersprüht, übergossen oder benebelt werden. Das verdunstende Wasser in einem Untersetzer reicht schon, ein oben offenes Terrarium ist für Kannenpflanzen genügend Feuchtigkeit haltend.

  • Düngen: Käse, Fleischstückchen, Pflanzendünger usw, das bringt fleischfressende Pflanzen innerhalb weniger Tage um. Eine minimale Düngung (1/5 der angegebenen Menge auf der Düngeflasche) ist im Hochsommer ok, auch mögen es Kannenpflanzen, wenn man den Kannen ab und zu einen Tropfen Milch zusetzt. Andere Düngungen sind nicht notwendig.

  • Erde: Der Boden, als Substrat bezeichnet, besteht eigentlich nur aus ungedüngtem Hochmoortorf und Sand, gedüngte Gartenerde sollte vermieden werden, den Kauf spezieller Carnivorenerde kann man sich für neue Pflanzen sparen.

  • Temperatur: Zu hohe Temperaturen führen dazu, dass die Pflanzen erschlaffen und verfaulen. Hält man sie an einem kühlen aber sonnigen Ort, so bekommt man die kräftigsten Exemplare. Die Haltung in Terrarien birgt ebenfalls die Gefahr zu hoher Temperaturen, Terrarien sollten stets oben offen sein und nicht mit Deckel in die Sonne gestellt werden. Frost hingegen stellt für die meisten Pflanzen den sicheren Tod dar, sollte bei der Beschreibung einer Pflanze explizit angegeben sein, dass sie frosthart sei, so sollte sie auch unbedingt im Winter draußen verbleiben, ggf abgedeckt mit ein paar Zweigen.

  • Winterruhe: Vor allem die winterharten Pflanzen verlangen eine Winterruhe, ein verhätscheltes Durchkultivieren über der Heizung glückt selten. Speziell sei hier die Venusfliegenfalle angemerkt, die sich über eine Winterruhe freut.

  • Krankheiten: Selbst kleine Mengen von Schädlingen können dazu führen, dass sich an einer Pflanze Mangelerscheinungen und Verkrüppelungen einstellen. Blattläuse haben zur Folge, dass junge Blätter von Sonnentauen und Venusfliegenfallen verkrüppelt wachsen, silbrige Punkte, leicht ledrig verschrumpelte Blätter bei Kannenpflanzen weisen auf Thripse oder Spinnmilben auf der Unterseite hin.

  • Ruhe: Wer seine Pflanzen regelmäßig vermehrt und sich um die Aufzucht der Sämlinge bemüht, dem sei eine regelmäßige Betreuung der Pflanzen verziehen, doch erwachsene Pflanzen sollten einfach in Ruhe gelassen werden, kein Umhertragen, Reizen der Fallen oder Füttern mit irgendwelchen Dingen. Natürlich kann man hin und wieder das Zuschnappen der Fallen präsentieren, jedoch nicht alle zwei Tage.


Herbst und Winter stellen die größten Herausforderungen für das Kultivieren dieser Pflanzen dar, da hier Schimmel und Lichtmangel viele Pflanzen dahinraffen. Zwar kann man Schimmel durch konsequentes Besprühen im Zaum halten, man führt jedoch mehr Wasser zu, womit mit der Zeit noch mehr Schimmel entsteht. Hier hilft nur konsequentes Gießen bis zu einem Maß, dass die Oberfläche so trocken ist, dass sie keinen Schimmel ansetzt, mehr Licht bringt noch mehr Erfolge.
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